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Interview mit Bernd Stelter Mit „Mittendrin, Männer in den Wechseljahren“ zu Gast in Morbach |
Region - 27.04.2010: Es ist das vierte Kabarett-Programm von Bernd Stelter, und er ist mittendrin, also fast wenigstens. Bernd Stelter ist 48, alles lässt so ein bisschen nach, alles hängt so ein bisschen durch. Aber er behauptet trotzdem, das wäre noch „mittendrin“. Er ist halt Optimist, und Optimist muss man in diesem Alter leider auch sein.
Männer verlieren zwischen 40 und 60 die Hälfte ihres Testosteronspiegels. Plötzlich können sie mit dem Kopf denken, und das kennen sie noch nicht, das kommt völlig überraschend, das ist neu für sie. Was macht so ein Mann dann? Interessiert er sich plötzlich für die Architektur des ausgehenden 16. Jahrhunderts und für altgriechische Philosophie? Oder aber sagt er sich: „Verdammt, mein Testosteron lässt nach. Dann brauch ich wohl doch 'ne jüngere Frau!“ Das und noch viel mehr erfahren Sie am 05. Mai 2010 in Morbach. Bernd Stelter - ein Multikünstler on Tour. Frage: Sie sind wieder auf Tournee, auf den berühmten Brettern, die ja die Welt bedeuten sollen. Wie wichtig ist die Bühne für Sie? Bernd Stelter: Ja nun, ich bin eine Rampensau. Ich sitze auch gerne am Schreibtisch und schreibe Nächte lang, ich stehe auch gerne vor einer Fernsehkamera, aber die Bühne ist meine Wurzel. Da hat das alles angefangen, und nur auf der Bühne hat man das Publikum direkt vor sich. Der Applaus kommt, oder er kommt nicht. Das passiert sofort, da muss man nicht erst am nächsten Morgen im Videotext nachschauen, wie die Quote war. Frage: Was sind Sie eigentlich: Comedian oder Kabarettist? Bernd Stelter: Comedy heißt eigentlich, einen Gag nach dem Anderen bringen. Das ist erstmal ganz schön schwierig, und ich finde auch, nach einer gewissen Zeit ganz schön langweilig. Die „Stand-Up-Comedians“ in England oder Amerika sind nach 20 Minuten wieder von der Bühne und das aus gutem Grund! Ich glaube, ein Zwei-Stunden-Programm, das muss auch ruhige Ecken haben, da muss man sich auch mal zurücklehnen können, das Lachen muss einem auch mal im Hals stecken bleiben. Vielleicht bin ich doch eher ein Kabarettist, aber eben keiner, der sich mit der Tagespolitik befasst. Frage: Was passiert im aktuellen Programm „Mittendrin, Männer in den Wechseljahren“? Bernd Stelter: Der Mann mit 46 hat Kinder, die aus dem Haus gehen, wenn sie einen Führerschein haben, Die Frau orientiert sich um, die Jüngeren im Job ziehen an ihm vorbei und er muss um seine Existenz fürchten, währenddessen geht im sein Testosteron verloren. Also, was soll er da machen? Der eine sucht sich eine neue Frau, der andere kauft sich Drachen und lässt diese fliegen, wieder andere interessieren sich plötzlich für Kunstgeschichte und fangen an zu studieren. Ich beschäftige mich mit diesen Fragen aus den unterschiedlichsten Sichtweisen her und schlüpfe dafür in verschiedene Rollen. Genauer gesagt spiele ich sechs verschiedene Typen und ich habe viele Lieder dabei. Im Gepäck dabei: Stand – up Comedy. Frage: Wie viel Autobiographisches ist im aktuellen Programm „Mittendrin“ mit dabei? Bernd Stelter: Im letzten Programm „Pubertät ist mehr als Pickel“ waren die Kinder noch im Haus, jetzt bei „Mittendrin“ haben sie den Führerschein gemacht und sind jetzt aus dem Haus. Da muss man sich dann mit beschäftigen und überlegen, was macht man mit dem leeren Haus? Wird daraus eine Jugendherberge? Ich bin meiner Zeit immer was voraus. Die 50 steht ja schon bald da und soweit voraussehen kann man. Das nehme ich ins Programm. Frage: Ist es anstrengend, immer und überall alles mitzubekommen, um das dann im Programm zu verarbeiten? Bernd Stelter: Das kann anstrengend sein, denn man schaltet nicht ab. Wenn ich Urlaub habe, brauche ich zwei Wochen, um komplett abzuschalten. Meistens ist dann der Urlaub vorbei. Ich beneide Leute, die sagen, dass sie um 17 Uhr Feierabend haben. Das geht bei mir nicht, ich arbeite auch von zu Hause, schreibe dort neue Texte und so weiter. Der Kopf hört nie auf zu rotieren. Aber ich bin so, da muss man auch kein Mitleid haben. Frage: Sie haben mit dem letzten Programm „Pubertät ist mehr als Pickel“ mehr als 250.000 Zuschauer gehabt. Wie wollen Sie das noch steigern? Bernd Stelter: Ich will das nicht steigern. Ich möchte wieder durch viele interessante Städte fahren und tolle Auftritte haben. Ich habe da so eine Hallengröße, in der ich gerne spiele. Wo so einige hundert Menschen reinpassen, vielleicht auch 1.500. Die Leute sollen was sehen und nicht das Gefühl haben, der Künstler ist weit weg. Ich muss das Gefühl haben, dass ich Kontakt bis zur nächsten Reihe habe, dann ist es ok. Wenn die Leute nach Hause gehen und sagen, ich war hautnah dran, der hat danach noch Autogramm geschrieben und das Programm war toll, dann bin ich zufrieden. Frage: Wenn man die Menschen zum Lachen bringen will, muss man super intelligent sein. Haben Sie das Gefühl, dass Sie das sind? Bernd Stelter: Ich glaube nicht, dass man super intelligent sein muss. Man muss aufpassen, was um einen herum passiert, und dann schauen, was daran lustig ist und das ausbauen. Durch die Sendung „7 Tage 7 Köpfe“ habe ich täglich Zeitung gelesen und mir antrainiert zu schauen, was an der Meldung lustig ist, die meisten Meldungen sind ja nur fürchterlich. Frage: Stimmt es, dass Sie hinterher so lange Autogramme schreiben, bis jeder eins hat? Bernd Stelter: Ja, das stimmt. Ich finde, die Leute sind gekommen, um mich zu sehen, die sind losgelaufen und haben sich eine Karte besorgt. Dann werde ich mir ja wohl die Zeit nehmen können, Ihnen diese Eintrittskarte zu unterschreiben. Frage: Gehen Sie mit 65 in Rente? Bernd Stelter: Ganz sicher nicht! Quelle: Miro. Autor, Redaktion und Verlag sind nicht für die Inhalte externer Webseiten verantwortlich. |
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